Lou Camin dis Estello

Didaktischer Weg zur Geschichte der Astronomie (Haute-Provence)

Der didaktische Weg ‘Lou Camin dis Estello’ hat die Entwicklung der Astronomie zum Thema. Er befindet sich in St. Michel l’Observatoire in der Provence (Lubéron). Hier haben die beiden welschen Nobelpreisträger Michel Mayor und Didier Queloz den ersten Exoplaneten (Planet, der um einen sonnenähnlichen Planeten kreist, der sich nicht in unserem Sonnensystem befindet) beobachtet.

Die nur 30-minütige Wanderung führt mich vom Dorfzentrum auf den Hügel, an dem St. Michel liegt. An diesem sonnigen Herbsttag ist die Aussicht in alle Himmelrichtungen ­– Montagne de Lure im Norden, Plateau de Valensole im Osten, Montagne Sainte Victoire südwestlich und die Bergkette des Lubéron im Süden — fantastisch. Ich benötige weniger Zeit für den Fussmarsch als für das Lesen der Thementafeln, die mich, mein Gedächtnis auffrischend, an die Physik- und Astronomielektionen im Lehrerseminar erinnern:

Im 6. Jh. vor Chr. ist die Erde gemäss den Astronomen rund.

Pythagoras lehrt, dass die Erde im Zentrum des Universums steht und der Mond, die Sonne und 5 Planeten um sie herum kreisen.

Ca. 350 v. Chr. geht auch Aristoteles noch davon aus, dass die Erde im Zentrum steht. In dieser Zeit stellt der Marseillais Pythéas einen Zusammenhang zwischen Ebbe und Flut und den Mondphasen fest. Etwas später erwähnt Aristarque zum ersten Mal, dass eventuell nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum unseres Universums steht. Viele Jahrhunderte später, 1543, lehrt dann Kopernikus den Heliozentrismus. Gemäss dem Polen kreisen die Erde und die Planeten um die Sonne und die Sterne in der Sphäre sind fix.

Die nächste wichtige Entdeckung um 1609 kommt von Galileo Galilei, es ist die Brille mit einer 30-fachen Vergrösserung. Er sieht damit Sonnenflecken, Mondberge, 4 Jupitermonde, Venusphasen und, dass die Milchstrasse aus vielen Sternen besteht.

Ebenfalls zu Beginn des 17. Jh. beschreibt Kepler, dass die Erde und die Planeten auf elipsenförmigen Bahnen um die Sonne reisen.

Isaak Newton definiert 1687 das Gravitationsgesetzt. Es beschreibt die Schwerkraft und warum der Mond um die Erde und Erde und Planeten um die Sonne kreisen. 1670 stellt Newton das erste Teleskop vor.

Milchstrasse heisst in « provençal » übrigens « Lou camin dis Sant Jaque ». 1798 beschreibt sie Herschel als eine Scheibe. Es sind zwei Marseillais, das Paar Georgelin, die 1976 die genaue Struktur der Milchstrasse als 2 Paar symmetrische Spiralen beschreiben. Seit 1976 ist auch ein genaues Messen in die Tiefe des Universums möglich.

Unser Universum besteht aus vielen Galaxien oder Milchstrassen und diese wiederum aus Milliarden von Sternen. Und unsere einzigartige Erde da drin? Passen wir auf sie auf, damit wir uns noch lange Zeit an ihren wunderbaren Landschaften und Stimmungen freuen können.

Passegiata alla spiaggia

Der Wecker ist auf 6.15 Uhr gestellt. Ich achte aber darauf, dass er nicht losgeht um Bernard nicht zu wecken. Weil die Müllabfuhr jeden Morgen schon vor 6 Uhr ziemlich lärmig die Abfälle der Hotels und „Bagnos“ vom Vortag einsammelt, bin ich aber eh schon wach. Wir sind in den Badeferien in Milano Marittima, einem Ferienort unter Schirmpinien an der Adriaküste zwischen Ravenna und Rimini. Im direkt am Strand gelegenen Abahotel hat unsere Familie in den 70-er Jahren die ersten Strandferien verbracht – und ist danach während vielen Sommern immer wieder hierhin zurückgekehrt.

Im Badezimmer ziehe ich mich im Licht der Taschenlampe an, um zu verhindern, dass der Lichtschalter den Ventilator in Gang setzt und Bernard wach wird. Die Hotelhalle ist noch dunkel, wenn ich die Treppe hinuntersteige, ich sehe aber bereits meine beiden italienischen Freundinnen an der Bar stehen und Espresso trinken, mit warmer Jacke, weil es am Morgen recht kühl ist. Bis ich an der Bar bin, hat der Nachtportier und Barkeeper auch für mich einen Espresso bereitgestellt. Draussen, über der Baumallee, die das Hotel vom Strand trennt, ist ein Streifen des pastellfarbener Morgenhimme sichtbar – wir begrüssen uns und gehen nach einem kurzen Schwatz mit dem Nachtportier zum Strand.

Im kühlen Sand sind die Sonnenschirme noch geschlossen und alles ist ruhig. Stefano, der Chef des Bagno Pino ist mit dem Rechen am Wasser und recht Muscheln, kleine Krappen, manchmal auch 30cm grosse Quallen und Plastiknetz-Teile der Miesmuschelzüchter zusammen, die das Meer in der Nacht ans Land gespült hat. Ein Traktor und ein riesiger Schaufelbagger fahren etwas später dem Strand entlang und sammeln das angespülte Gut ein.

Wir drei Frauen sind jeden Morgen vom Schauspiel der aufgehenden Sonne fasziniert. Es ist nur sehr kurz, aber es scheint als würde sich ein glutroter Feuerball aus dem Meer erheben. Der Himmel färbt sich mit regenbogenfarbenen Pastelltönen, die sich auch über das Meer und den Strand legen. Zusammen mit meinen beiden italienischen Freundinnen aus der Gegend von Modena, die ich zu Beginn der Ferien am Morgen früh hier am Strand kennengelernt habe, spaziere ich dem Strand entlang. Es freut mich, dass ich meine mittelmässigen Italienisch-Kenntnisse anwenden und etwas verbessern kann.

Sonnenaufgang am Bagno Pino, Milano Marittima

Nach einer knappen Stunde sind wir wieder zurück bei unserem Bagno und es ist Zeit für mein morgentliches Bad im Meer. Es ist angenehm warm ins Wasser zu tauchen, weil sich seine Temperatur in der Nacht nicht so schnell abgekühlt hat wie die der Atmosphäre. Ich habe das Meer für mich allein. Meine beiden Freundinnen bleiben auf einem Liegestuhl. Ein Blick zu unserem Hotel zeigt mir jetzt auch, dass Bernard aufgestanden ist. Im Zimmer sind die Storen hochgezogen und manchmal steht er sogar auf dem Balkon. Es ist Zeit für das Frühstück! Zurück im Hotel duftet das ganze Haus nach frischen „Cornetti“, ich habe Hunger, zuerst geht’s aber noch unter die warme Dusche.

Störrische Rosette

Rosette

Die Eselin Rosette und ich kennen uns schon einige Jahre. Schon mehrmals haben wir zusammen die Gegend am Jurasüdfuss in der Nähe von Yverdon erkundet. Es ist selten und einfach toll, dass es möglich ist, einen Esel für eine Wanderung von ein paar Stunden oder sogar ein paar Tagen zu mieten, ohne dass eine Begleitperson dabei ist. Auf meine Frage haben die Besitzer, die Familie Scheidegger in Vugelles, geantwortet, dass sie noch nie Schwierigkeiten gehabt haben mit dem Vertrauen, das sie den Esel-Mieterinnen und -Mietern entgegenbringen. Die kleine Gemeinde Vugelles-La Mothe liegt einige Kilometer nordwestlich von Yverdon im Tal des Arnon. An diesem sonnigen und warmen Sommertag habe ich das Picknick für den ganzen Tag im Rucksack, eine Tageswanderung ist vorgesehen. Meine Planung habe ich jedoch ohne einen störrischen Esel gemacht.

Ich nehme Rosette an der Leine und wir ziehen los. Zuerst ein Stück der Hauptstrasse entlang, dann biegen wir rechts ab in eine schmale Strasse, die auf der anderen Seite der Brücke über den Arnon leicht ansteigt auf eine Hochebene mit Feldern, Wäldern und einzelnen Bauernhöfen. Es gibt hier ein Netz von Naturwegen, ideal für eine Wanderung. Rosette bleibt aber schon bald stehen und ich muss ihr gut zureden, damit sie weitergeht. Nach einem weiteren Stück hält sie wieder an. Ich entscheide mich, rechts den flachen Weg zu nehmen, der dem Arnon entlang führt. Da kommen wir vorwärts, Rosette trottet gemütlich neben mir her und ich geniesse den ruhigen, friedlichen Spaziergang an diesem sonnigen Vormittag. Etwas später stelle ich fest, dass dieser Weg über eine zweite Brücke über den Arnon zurück in die Hauptstrasse mündet. Das will ich nicht — wir kehren um. Zurück auf der Strasse, die auf die Hochebene führt, bockt Rosette wieder, sobald es aufwärts geht. Diesmal nützt alles Zureden nichts. Wir gehen ohne Stop zurück zur ersten Brücke; vielleicht bringe ich Rosette nun dazu, jetzt wo sie „in Fahrt ist“, über den Weg, der links abbiegt, auf die Hochebene zu kommen? Meine Zuversicht hält nicht lange an, sobald der Weg ansteigt, bleibt Rosette wieder stehen und ist nicht mehr vom Fleck zu bewegen. Zureden, stossen, sogar ein leichter Klaps mit einem Ast auf ihren Hintern, alles nützt nichts. Ich zerre mit aller Kraft an der Leine, bis ich einen Schmerz im Rücken spüre, Rosette bewegt sich nicht vom Fleck. Langsam verliere ich die Geduld. Es ist inzwischen Mittag und eine Pause wird beiden guttun. Ich befreie Rosette von Rucksack, Gepäckgestell und Decke, die sie ihrem Rücken trägt und binde ihre Leine an einen Pfosten, so dass sie von den feinen Kräutern und Gräsern am Wegrand fressen kann. Ich packe mein Sandwich aus und setze mich auf einen Stein daneben in die Sonne.

Bei der Mittagspause

Gestärkt und ausgeruht nach der Mittagspause, hoffe ich nun endlich vorwärts zu kommen. Der störrische Esel bockt aber auf beiden Strassen, die zur Hochebene ansteigen. Schliesslich spazieren wir noch einmal dem Arnon entlang, da ist es flach und das scheint Rosette zu gefallen. Danach geht’s nach Hause. Mit ein paar Tipps von der Besitzerin der Esel versuche ich es nochmal. Wenn es aufwärts geht, bleibt die Eselin aber wieder stehen. Ich sage mir, dass die Tiere wie die Menschen auch bessere und weniger gute Tage haben. Es nützt nichts, etwas erzwingen zu wollen. Wir nehmen noch einmal den flachen Weg dem Bach entlang und machen am Ufer eine Pause, bevor es dann definitiv zurück nach Hause geht und Rosette auf dem Feld ihre Kameradinnen und Kameraden wieder findet.

Pause am Arnon

Das war anstrengend heute und Rosette hat mich gefordert. Während ein paar Tagen muss ich nun meine leichte Muskelzerrung pflegen, die ich mir beim Zerren an Rosettes Leine zugezogen habe. Das Zusammensein mit der Eselin habe ich aber trotzdem genossen und ich freue mich auf das nächste Mal (hoffe aber, dass Rosette einen besseren Tag hat, sonst begleitet mich dann eine ihrer Kameradinnen oder einer ihrer Kameraden).

Rosette ist Anfang 2025 gestorben. Gemäss der Legende der Regenbogenbrücke, hat sie die Brücke also auch überquert, so wie alle Tiere, die uns begleitet und die wir gerne gehabt haben.