Skulpturenweg

Alle paar Schritte halten wir an um, zum Beispiel einen Auerhahn, oder ein Murmeli anzuschauen, oder um zu diskutieren, was eine andere Skulptur darstellt. Einige, wie Titeuf, bringen uns zum Schmunzeln, während uns andere erstaunen: Wie kommt der Künstler auf die Idee, so weit weg vom Ozean einen Kraken zu schnitzen? Während 20 Jahren hat George-André Favre Baumstrünke bearbeitet, das Resultat ist dieser einzigartige Skulpturenweg.

Der » Sentier des statues » befindet sich im Kanton Neuenburg, im Tal von Les Ponts-de-Martel. Von La Sagne überqueren wir die Ebene und wandern gegenüber auf dem Waldweg in die Höhe zum Mont Racine. Über 100 Skulpturen erheitern uns dabei.

Bretagne

Wir fahren die 870 km nach Saint-Malo in 2 Tagen, mit einer Übernachtung in Tour. In der Stadt der Korsaren wohnen wir 3 Nächte im Manoir de Cunningham, einem kleinen Hotel im englischen Stil, das gegenüber der Altstadt und nur 15 Min Fussweg vom Fähren Terminal nach Jersey entfernt liegt. Praktisch für uns, denn für unseren Tagesausflug auf die englische Insel müssen wir morgens um 6h30 dort eintreffen.

Von Saint-Malo aus gingen die Korsaren im Mittelalter auf Beutezug um feindliche Schiffe anzugreifen und zu plündern. Dazu haben sie die Erlaubnis des Königs. Piraten tun dasselbe, aber sie plündern auf eigene Faust und handeln deshalb illegal. Ich besuche die « Etoile du Roy », eine für Filme eingesetzte Nachbildung eines Korsarenschiffs aus dem 17. Jh. Dabei bekomme ich einen Eindruck des unmenschlichen Lebens, das damals an Bord herrschte: strengste Disziplin, nicht genug zu essen, keine Kleidung gegen die Kälte, Krankheiten, Schlafen in der Hängematte im stinkenden Unterdeck, unvorstellbar.

Eine spezielle Atmosphäre von Seefahrt, Abenteuer und Piraten ist in den Gassen der Altstadt und auf dem Rundgang auf den Stadtmauern spürbar. Es gibt sehr viele Touristen.

Für die 1 ½-stündige Reise nach Jersey fährt die riesige Condor Fähre bei Sonnenaufgang los. Wir sitzen ganz vorne am Panoramafenster mit Blick aufs Meer, Kaffee und Croissant sind heute ein besonderer Genuss. Nach der Ankunft in Jerseys Hauptort, der kleinen sympathischen Stadt Saint-Hélier, schauen wir uns im Zentrum um. Die vielen Banken im bekannten Steuerparadies fallen uns sofort auf. Am Nachmittag bleiben wir in einem Aussenquartier und am riesigen Strand. Davor besuchen wir das Museum, das uns einen Einblick in die komplizierte Geschichte der Insel gibt, die einmal zu Frankreich und dann wieder zu England gehörte. Heute ist sie, zusammen mit den anderen Kanalinseln, autonom. Für die Einreise müssen wir übrigens den Pass vorweisen.

Als nächstes führt uns unsere Reise über Dinan nach Perros-Guirec, an die Côte de Granit Rose im Norden der Bretagne. Die schöne, mittelalterliche Altstadt Dinans mit vielen alten Fachwerkhäusern ist ein Besuch wert, vor allem an diesem sonnigen und warmen Tag.

In Perros-Guirec, an der Côte de Granit Rose, haben wir ein kleines Haus gemietet. Von Beginn weg sind wir begeistert von der Lage – direkt an einem Meeresarm des Ärmelkanals im Hafen von Ploumanac’h  – der Einrichtung und den netten Besitzern. Sie empfangen uns mit hausgemachtem Far breton, einer feinen bretonischen Spezialität mit Dörrzwetschgen (ein Gratin). Der Meeresarm leert sich bei Ebbe komplett, und bei Flut füllt er sich zu einem See. Da wir am Herbstanfang mit Tag- und Nachtgleiche hier sind, erleben wir die grössten Gezeitenunterschiede des Jahres. Das ist sehr eindrücklich.

Viele Touristen baden, fahren Velo oder wandern an der Küste mit dem rosaroten Granit. Überall gibt es Sandstrände mit riesigen, von der Erosion abgerundeten Granitblöcken. Manchmal sind sie aufgetürmt zu einem Chaos, wie sie es hier nennen. Granitblöcke liegen auch in den Gärten, zwischen Häusern, Wege führen um sie herum – sie gehören zur Landschaft. In der Sonne oder bei Sonnenuntergang haben sie einen orange-roten Schimmer, einzigartig und wunderschön. Vor 300 Mio Jahren ist der Granit aus Magma, das sich langsam abgekühlt hat, entstanden.

Im Hafen von Trébeurden finden wir endlich Platz in einem Restaurant, das zu unserem grossen Vergnügen Meerfrüchte serviert. Die Restaurants sind meistens voll, man muss Plätze reservieren. Da wir aber spontan unterwegs sind und vorher oft nicht wissen, wo wir am Abend sind, kaufen wir meistens unterwegs etwas ein und kochen selber in unserer bestens ausgerüsteten Küche – und das ist so gut wie im Bistrot: Limande sole, Lammkotletten, Artischocken, Moules frites oder Langusten beispielsweise, mit einen Glas Rotwein aus Chinon (Tal der Loire).

Die kleine Küstenstadt Paimpol besitzt noch einen aktiven Fischerhafen, sie ist ca. 50 km von uns entfernt. Auf einer sonnigen Terrasse im farbenfrohen Hafen essen wir hier Salat und Cidre – und plötzlich frage ich mich, warum die Boote hier im Wasser sind? Bei der Hinfahrt haben wir doch gesehen, es ist Ebbe und das Meer hat sich sehr weit zurückgezogen. Auf der Suche nach einer Erklärung finden wir später eine geschlossene Schleuse, die das Wasser im Hafen zurückhält, und alles ist klar. Die Seemänner aus Paimpol segelten im Mittelalter bis nach Neufundland, um Dorsche zu fischen. Und anfangs des 20. Jh. fischten sie in Islands Gewässern.

Mit seiner angenehmen Wassertemperatur von 17° lädt mich der Kanal täglich zum Schwimmen ein. Damit ich auch Wasser finde am Strand, achte ich auf die Zeiten der Flut, denn bei Ebbe ist das Meer weit weg mit den grossen Gezeitenunterschieden. Wir beobachten leidenschaftliche Surfer, die ihr Brett mehrere 100m durch den Schlamm tragen, bevor sie endlich aufsteigen können. Meistens jogge ich von unserem Haus 10 Min bis zum wunderschönen Tourony-Strand. Er ist von enormen Granitblöcken eingerahmt. Auf einer kleinen Insel davor steht, von ein paar Bäumen umgeben, das Schloss Costaères, wie ein Zauberschloss aus einer bretonischen Legende. Und morgens blickt rechts im Hintergrund noch der Leuchtturm Men-Ruz. Nach der Lektüre einiger bretonischer Legenden beflügelt das Schloss meine Fantasie und im Wasser liegend stelle ich mir vor, wie die Insel von Korrigans (Zwergen) bewohnt ist.

Eine wunderschöne Küstenwanderung um die Ile Grande (nördlich von Trébeurden) führt uns abwechslungsweise durch ein wildes Naturschutzgebiet, einem kleinen Hafen entlang mit im Schlamm liegenden Booten oder vorbei an Villen in herrlichen Parks.

Zum Abschluss unseres fast zweiwöchigen Aufenthalts im Tregor geniessen wir Crêpes, wie üblich ein salziges aus Buchweizenmehl und zum Dessert ein süsses. Der Kir Breton, Cidre mit Cassis-Sirup, wird hier unser bevorzugtes Apéro-Getränk.

Wir verlassen die Côtes d’Armor gen Süden durch den Armorique Naturpark nach Châteaulin. Dunkle Wolken am Himmel, kaum ein Haus und ein unglaublich starker Wind bilden den passenden Hintergrund für die Durchquerung der sagenumwobenen Gegend um die Monts d’Arrée. Wir « erklimmen » sogar den höchsten «Berg» der Bretagne, den Montagne Saint-Michel (389 m).

In Châteaulin besuchen wir meinen Cousin Franz und seine Frau Ruth, die seit 20 Jahren im Finistère leben. Sie verwöhnen uns mit feinstem Essen, wir haben uns viel zu erzählen und geniessen zwei gemütliche Tage zusammen. Da wir schon in der Nähe von Quimper sind, gehört natürlich auch ein Besuch im Armor-Lux Fabrikladen dazu.

In 12 Stunden fahren wir danach die 1020 km zurück nach Genf. Einmal mehr sind wir begeistert von der Bretagne, und wir erleichtern uns die Rückkehr in den Alltag mit viel bretonischer Musik (Denez Prigent, Dan ar Braz, Gilles Servaz u.a.).

Unterwegs waren wir vom 10. bis 28.9.2024

Südtirol und Gardasee

Mediterrane Vegetation am Gardasee

Am 28. September, 2023, starten wir und durchqueren die Schweiz bis ins Unter-Prättigau, nach Grüsch, unserem ersten Etappenort. Mittags-Sandwiches gibt’s am Walensee, danach ein Bad bei dem sommerlich warmen Wetter. Am 2. Tag fahren wir über Davos und die Flüela ins Unterengadin. Es ist eine sehr schöne Strecke.

Nach dem Grenzübergang sind wir für einige Km in Österreich, über den nächsten Zoll gelangen wir nach Italien. Es deutet hier, ausser den vielen IT-Autokennzeichen, nicht viel auf Italien hin. Während unseres Aufenthalts im Südtirol fühlen wir uns eher in Österreich. Die autonome und reiche italienische Provinz Alto Adige (Südtirol) ist eine Mischung von guten Eigenschaften beider Länder, finden wir.

Nach dem Reschenpass halten wir, wie alle Touristen, am Reschensee (1500m). Der aus dem Wasser herausragende Kirchturm des gefluteten Dorfes Graun ist ein besonderes Fotomotiv. Der Pfarrer und die Bevölkerung haben sich übrigens gegen diese Vergrösserung des Sees zur Energiegewinnung gewehrt, genützt hat es jedoch nichts. Mein heutiges Bad, im Reschensee, ist sehr erfrischend, ich fühle mich herrlich danach.

Durch das Vinschgau geht’s nun weiter nach Meran. Über 40 km fahren wir, beidseitig der Strasse, Apfelfeldern entlang. Die Bäume sind voller reifer Äpfel, ein Paradies. In Meran wohnen wir im erholsamen Hotel Wessobrunn, früher die Sommerresidenz eines Klosters bei München, das uns unsere Freunde Werner und Angelika empfohlen haben. Das Essen hier ist hervorragend. Aber nicht nur das: In der Frische des Morgens, wenn das Hotel noch schläft und das Personal mit der Vorbereitung des Tages beschäftigt ist, schwimme ich jeweils alleine im kühlen Wasser des Pools im schönen Hotelpark. Vom Kastanienbaum fällt hie und da eine reife Frucht ins Wasser, über Meran geht die Sonne auf, und am Berg über mir thront das geschichtsträchtige, im 14. Jh. von den Grafen von Tirol erbaute Schloss, das der Region ihren Namen gab.

Während den ganzen Ferien bleibt unser Auto oft in der Garage. In Meran sind wir mit der Merankarte für Bus, Museen und Ausstellungen unterwegs, am Gardasee, in der 2. Woche, nehmen wir manchmal das Schiff.

Meran war von 1870 bis zum 1. Weltkrieg die touristische Hochburg Europas, weil die Kaiserin Sissi den Ort an der Passer sehr mochte. In ihrem Schlepptau verbrachten dann Adelige aus ganz Europa ihre Ferien auch im schönen Meran. Die Stadt ist immer noch voller Touristen, die schönen Häuser und Paläste, alles ist gepflegt, Flanieren in der Altstadt ist angenehm, oder auf einer Terrasse einen Apfelstrudel zu essen. Auch wir sind begeistert.

Für ihre Freiheit mussten die Tiroler kämpfen. Mit ihrem Anführer Andreas Hofer haben sie bei Meran gegen die napoleonische Armee und die Bayern gewonnen. Die Trennung des Tirols erfolgt erst nach dem 1. Weltkrieg, als der Süden zu Italien kommt. Die Mehrzahl der Einwohner spricht DE, etwas weniger sprechen IT und noch weniger ladinisch, drei offizielle Landessprachen hat die Provinz.

Dem Adige entlang fahren wir weiter gen Süden nach Riva, am oberen Ende des Gardasees. Wir sind immer noch im Südtirol. Ausser vielleicht einem ‘Strudel’ auf der Dessertkarte im Bistrot ist hier alles italienisch. Riva besitzt wunderschön gepflegte Paläste und Villen. Die venezianische Vergangenheit ist übrall sichtbar. Fast aus dem Stadtzentrum ragen die Felswände der Ausläufer der Alpen senkrecht in die Höhe. Mit dem Schiff besuchen wir Limone, wo früher auf Terrassen Zitronen angebaut wurden. Die Souvenirläden hier sind zitronengelb; es gibt alles, was man sich vorstellen kann, in Zitronenform, -farbe oder mit Lemongeschmack. Malcesine, auf der anderen Seeseite am Fuss des Monte Baldo gelegen, ist unsere nächste Station. Vom Schiff aus kann ich auch schon einen Strand ausmachen für mein tägliches Bad im See. Zuerst steigen wir jedoch den Hügel hinauf zum Schloss der Skaliger (Castello Scaligero), das in wunderschöner Lage auf einem Felsvorsprung über dem See thront. Die Vegetation in der Region des Gardasees ist paradiesisch: Kaki- und Granatapfelbäume, Orangen-, Zitronen-, Bitterorangen-, Kumquats-, oder Mandarinenbäume stehen in Gärten, Strassen und Parks. Im Castello erinnert eine Büste Goethes an seine Begeisterung für diese Gegend bei seiner Italienreise. Ein Film beschreibt die verrückte Idee der Venezianer, 1438-1440 ihre Flotte auf dem Landweg zum Gardasee zu transportieren, um den See gegen die Mailänder zu verteidigen. Die Rückfahrt nach Riva geniessen wir mit dem letzten Schiff im romantischen Abendlicht. Auch am Abend ist es nicht kühl, während des Tages ist es nicht zu heiss, es ist uns einfach wohl im Südtirol.

Ein Ausflug führt uns ins Trentino, ins Val di Ledra, das nur 15km von Riva in den Bergen gelegen ist. Vom Trentino wissen wir, dass es da guten Wein und Bären gibt. Der Ledrasee mit seinem türkisfarbenen Wasser zieht viele Wanderer und Mountain-Bike-Fahrer an. Wir gesellen uns zu den Wanderern und sind gemütlich gute 4 Stunden unterwegs für die See Umrundung.

Im südlichen Teil des Gardasees ist es wärmer. Auf der östlichen Seeseite ist es etwas hügelig, sonst ist flach. Zu erwähnen ist der romantischste, kleinste Hafen, den ich je gesehen habe, in Cassone, etwa in der Mitte zwischen Riva und Garda gelegen: ein Duzend Fischerboote, am Hafeneingang einerseits ein kleiner, mittelalterlicher Turm, auf der anderen Seite zwei riesige Linden, und das Museum eines Hobbysammlers voller Fischerei- und anderen Alltagsgegenständen, Fotos und ausgestopften Seevögeln aus der Gegend aus dem letzten Jahrhundert.

Für die nächsten paar Tage wohnen wir in einem angenehmen Hotel im sehr touristischen Garda.

Per Schiff fahren wir ins schön gelegene, nicht weniger touristische Sirmione, das speziell auf einer schmalen in den See hinein reichenden Landzunge erbaut ist. Auch hier überragt eine imposante Festung der Skaliger aus Verona aus dem 14. Jh. die Altstadt. Die Rückfahrt wählen wir wieder zur Zeit des Sonnenuntergangs, ein besonders genussvoller Moment. Am Abend essen wir in der kleinen Trattoria in unserem Quartier einen feinen Meerfrüchtesalat – es ist ruhig und lecker hier, im Gegensatz zu den Terrassen mit lauter Musik und vielen Leuten am See.

Unsere Ferien schliessen wir in der Schweiz ab, in Roveredo im Misox (Val Mesolcina). Zwar unweit von Bellinzona gelegen und italienisch sprechend, aber das Tal gehört zum Kanton Graubünden. Die Kastanien sind reif und liegen auf dem Boden, eigentlich schade, dass wir in der Schweiz Kastanien importieren und nicht einen eigenen Anbau betreiben. Die Früchte würden mit dem Einsammeln von Hand viel zu teuer, höre ich im Radio. Wir besuchen das schöne Calancatal mit seinen kleinen, sehr schön gepflegten Dörfern. Leider gibt es auch hier immer weniger Einwohner, die Abwanderung ist seit Jahrzehnten ein Problem. Es ist auch Wildsaison. Zweimal essen wir beste Wildgerichte, einmal im typischen, gemütlichen Grotto Zentralli in Roveredo.

Durch das Centovalli und über den Simplon fahren wir nach Hause. Erholung und Entspannung haben wir gefunden in unseren Ferien und gleichzeitig neue Regionen, die wirklich eine Reise wert sind, kennen gelernt.