Schaffell filzen

Die Aussicht auf einen Tag mit den Händen zu arbeiten, den Kopf ruhen zu lassen und am Schluss ein Schaffell heimzunehmen, das hat mich angesprochen, als ich im Greenpeace Magazin von den Kursen der Fellfilzerei Jawoll gelesen habe. Zudem grast das Schaf, dessen Wolle ich verarbeite, weiterhin friedlich auf einer Wiese im Luzerner Hinterland. Meine langjährige Freundin Barbara und ich haben uns zusammen für den Workshop ‚Ein ganzes Schaffell filzen‘ angemeldet.

Am frischen Märzmorgen treffen Barbara und ich kurz vor 8 Uhr in der Fellfilzerei in Buch am Irchel ein. Neugierig auf dieses für uns neue Handwerk treten wir ein. Unsere Kursleiterin Carmen ist eine Meisterin darin und erklärt uns jeden Schritt sehr genau.

Es geht gleich los: jede wählt die rohe Wolle eines frisch geschorenen Schafes aus. Carmen hilft jeweils bei der Schafschur und kann als Lohn die Wolle für ihre Fellfilzerei mitnehmen. Diese Rohwolle ist heute leider kaum mehr etwas wert, wird verbrannt, zu Gebäudeisolation verarbeitet oder sogar weggeworfen. Das ist jammerschade! Es ist eine natürliche Ressource, die sehr vielfältig verarbeitet werden kann. Eine Möglichkeit ist das Fell filzen. Wie das geht siehst du in der Fotogalerie darunter. Vergrössere jedes Foto um die Beschreibung zu lesen.

Link Fellfilzerei Jawoll: https://www.fellfilzerei.ch/

Aareschwumm

Für mich ist es die Entdeckung des Jahres. Den dritten Sommer verbringe ich nun jeden Mittwoch und Donnerstag in Bern. Warum bin ich erst diesen Sommer zum ersten Mal in die Aare gesprungen und habe mich in Stück weit mittragen lassen? Ich weiss es nicht. Baden im Fluss ist in, an gewissen Abenden gleicht die Aare einem riesigen Schwimmbecken. Schwimmer jeden Alters lassen sich vom Fluss mittragen. Die letzten beiden Mittwochabende gehörte ich auch zum Club der Aareschwimmer. Das erste Mal, als ich im Marzili, Berns öffentlicher Badi, den Fuss ins Wasser setzte, war ich sehr erstaunt über die Stärke der Strömung. Schliesslich habe ich es gewagt, mich vom Fluss ein Stück weit mittragen zu lassen, unter den Laubdächern der Bäume am Aareufer durch, vor mir auf dem Altstadthügel das Bundeshaus. Einmalig diese Landschaft! Ich sehe schnell, dass ich leicht einen Ausgang ansteuern kann, wenn ich nicht allzu weit vom Ufer weg schwimme. Es gibt viele Möglichkeiten auszusteigen und die Geländer sind rot angestrichen und gut sichtbar. Am meisten spüre ich die Stärke der Strömung beim Aussteigen. Ich muss mich fest halten mit der Hand am Geländer und sofort aus der Strömung ziehen, sonst nimmt sie meine Badehose mit. Das Geländer lasse ich auch sofort los, damit es frei wird und die nächste Schwimmerin es sich packen kann. Nachher heisst es auf dem Uferweg zurücklaufen ans andere Ende des Marzili, zum Ausgangspunkt. Im Gegensatz zu den Gesellschaftsspielen, wo zurück zum Start normalerweise eine Strafe bedeutet, ist neu beginnen hier ein herrliches Vergnügen. (geschrieben am 9. Aug. 2017)